Am 26. Oktober 2011 um 20 Uhr hat das erste Treffen der Piratenpartei Südtirol stattgefunden.

Die Veranstaltung wurde über ustream.tv live ins Internet gestreamt und hier auf tit.it live mitgebloggt.

Danke an die Mitblogger und an die Leser für die vielen wichtigen Informationen.

Kommentare können über die Kommentarfunktion, Mail oder Twitter gesendet werden. Wenn nicht ausdrücklich erwünscht werden diese wie immer nicht veröffentlicht.

Im Laufe des Abends wurde entschieden, die Videoaufzeichnung nicht zu veröffentlichen. Auf dieser Seite weiter unten bleibt der Liveblog erhalten. Genannte Namen sind nicht zu 100% sicher....

Fazit

Aus 900 Facebookfreunden wurden ca. 15 Anwesende beim ersten Treffen. Deutlich erfolgreicher war die Onlinepräsenz via Livestream und Facebookchat.

Wenig Konkretes, lieber wird darüber diskutiert, mit welchen technischen Mitteln Öffentlichkeitsarbeit betrieben werden soll.

Die Gründer der Bewegung bleiben weiterhin unbekannt. Es soll einen Kern von 10 Personen geben und einen "Sponsor".

Einer der Gründer will sich schon jetzt aus der Schusslinie bringen und die Zugangsdaten für den bisher einzigen Kommunikationskanal, das Facebookprofil, an neu ernannte "Administratoren" abgegeben. (einige dieser Administrator kommen aus dem "Internet", und sind den Anwesenden bisher unbekannt).

Es herrscht eine starke Medienangst: "Was wird morgen über das Treffen in den Zeitungen stehen?".

Was, wenn die Zeitungen neben dem Artikel ein Foto von gewissen anwesenden Personen abdrucken? Wird die öffentliche Meinung damit beeinflusst und die Bewegung auf eine Person reduziert?

Auf der anderen Seite hätte das Facebookprofil sicher weniger Onlinefreunde, wenn suedtirolnews.it und stol.it nicht darauf verlinkt hätten.

Und die wichtigste Frage des Abends: "Wer ist der ominöse Sponsor, und welchen Betrag würde er eventuell spenden?" hat die aktivste Diskussion ausgelöst...

Livestream erstes Piratentreffen Südtirol



[Liveblog]

20.00 Stream online, ca. 10 Personen im Raum anwesend, 30 via ustream

20.10 Treffen hat begonnen, Personen anwesend ca. 10, 34 online; Moderatoren sind Matthias und Günther(?);

Thomas Sigmund betritt die Bühne und spricht über die Gründungsidee:

Kern von 10 Personen

Spricht über Facebookseite mit 3 Administratoren; Sigmund will die Passwörter der Facebooklogins übergeben...

Bringt sich selbst aus der Schusslinie; Domains piraten.bz.it und pirati.bz.it werden, wenn erwünscht, abgetreten

20.15 vielleicht 15 Personen anwesend...

Sigmund schließt damit ab, dass das Facebookprofil etwa 900 Freunde hat und er nur den Stein ins Rollen bringen

20.16 Einer der Moderatoren spricht jetzt: Frage über Publikationsplattform im Internet

20.20 Publikum: (Markus Lobis) Gesellschaftliche schnittstellen sein, sollen impulse geben, nicht sofort alles durchstrukturieren, nicht Fehler anderer Parteien wiederholen

an die überschaubaren zuhören wurde gefragt warum sie da sind, wer das manifest gelesen hat. antwort 1-2 leute
er selbst hat es auch erst heute gelesen

internationales manifest wurde kurz vorgestellt/vorgelesen

keine eigenen politischen konzepte, keine konkurrenz zu anderen parteien

sie wollen nichts verbessern

es wurde mehrmals gefragt, warum die zuhörer da sind. (keine Antwort aus dem Publikum)

die zuhörer wurden piraten genannt. es wurden sprachliche wortspiele verwendet: wind aus den segeln nehmen

20.30 (sehr langer) Beitrag aus dem Publikum: Plattform anbieten, Thema Datenschutz, leichte Kritik an Livestream, schlägt vor, sich öfters zu treffen und die Sache langsam anzugehen.

Internet verstärkt einsetzen

Moderator hat vorhin im Manifest Twitter, Facebook und Liquid Feedback gelesen: Frage an das Publikum: Was ist Liquid Feedback?

20.35 erste Zuhörerin verlässt den Raum, während im Raum versucht wird zu verstehen, was Liquid Feedback ist..

Frage an das Publikum: Wer würde eventuell mitarbeiten, eine Plattform zu schaffen?

Facebook oder anderes Medium??

20.38 Beitrag aus dem Publikum: Welches sind, neben den internationalen Themen der Piraten, die südtirolspezifischen Themen?

20.41 Frage ans Publikum: Wie die Menschen erreichen? Facebookprofil mit Twitter zusammenschliessen? Alles zusammenhängen (?) Gratisblogs... Facebook... Twitter

(der Typ ganz links im Bild (Sigmund??) hat vermutlich als einziger eine Idee, was zu machen ist... schlägt Treffpunkt vor, um kompetente Menschen (Social Media Experten, etc...) zu vereinigen

Es fallen viele zufällige Web 2.0 Wörter: Wordpress, RSS, Unterblogs, Kommunikation: Ziel soll es sein, die Informationen zu strukturieren und eine Identität aufzubauen

Moderator erklärt, wichtiger ist der Inhalt als die eingesetzte Technik

20.54 Livestreamzuschaueranzahl schwankt zwischen 30 und 35

Frage an das Publikum: Aus welchem Grund seid ihr zum Treffen gekommen?

Sigmund (?) antwortet: Man muß Vorsitzenden ernennen und nicht herumdiskutieren, wie viele Piraten im Raum anwesend sind, etc...

ist anscheinend nicht Sigmund, sondern nennt sich Stefan

Da die Masse nicht anwesend ist, soll die Abstimmung online erfolgen

Abstimmungssystem wird gesucht

Wird Facebook verwendet, oder das Abstimmungssystem outgesourced

Frau im Publikum meint, die Abstimmungen sollten anonym sein

21.08 Frage aus dem Publikum: "Wie soll die Piratenpartei in Südtirol starten?"

Weitere Stellungnahme aus dem Publikum: "Es braucht frischen politischen Wind in Südtirol"

Publikum: "Ich will keinen Menschen wählen, ich will eine Partei wählen. Ich bin aber falsch auf diesem Treffen, denn mich interessieren die Piratenthemen nicht...."

Publikum: "Herkemm, zu schaugn wer do isch.... viele wichtige Ideen.... wie wird die Zukunft der Piraten?"

Publikum: "Die Piratenthemen betreffen mich persönlich, deshalb interessiere ich mich erstmals für Politik.... "

Publikum: "Neuer Wind in Südtirol ... wird es gewisse Ziele der Partei geben? ...  "

Publikum: "Mich erfreut der Erfolg der Piraten in Berlin.... angepasst an neue Themen, Techniker.... andere Parteien sind nur deutsch oder nur italienisch...."

Publikum: "Es braucht frischen Wind in Südtirol.... Gemeinschaft muss sich über einen Kommunikationskanal finden... Ist voll zufrieden mit dem heutigen Treffen... "

Publikum: "Jugend fühlt sich mit politischen Themen überfordert.... Mehr Transparenz wird gefordert"

Publikum: "Seit einer Woche politikbegeistert.... immer die selben Themen in der Politik... wichtige und alternative Themen sollten besprochen worden.... die Piratenpartei sollte gemeinsam mit dem Volk politische Entscheidungen treffen..."

Einer aus dem Publikum (Markus Lobis?) kritisiert die Nichtvermietung von Räumen an politische Aktivitäten

Die Arbeiten sollen aufgeteilt werden und "Moderatoren" sollten gesucht werden...

Von den Anwesenden ist niemand aktiv interessiert, jedoch hat eine Frau im Raum auf einem Chat im Internet, der im Saal anscheinend live übertragen wird, jemand gesehen, der daran interessiert ist, die Moderatorenrolle zu übernehmen: Patrick!

Publikum (Sigmund?) sorgt sich darum, was morgen in den Zeitungen über das Treffen stehen wird... "schwacher Start"... und will eine Strategie finden, wie man mit den (negativen) Schlagzeilen umgehen will... Medienvertreter sollen wegen Facebookseite gekommen sein.... erklärt wie die Piratenpartei bekannt geworden ist.... erster öffentlicher Auftritt auf suedtirolnews.it und stol.it [was ist mit den privaten Blogs Herr Sigmund!!!!!???]

Diskussion über Medienreputation ist losgebrochen.... Medien ignorieren??...

Publikum: "Medien sollen mit Informationen gefüttert werden"

Publikum: "Lösung: Die Piraten sind eine Bewegung... alles ist voll super.... auf nichts konkretes einlassen... wenn es was zu berichten gibt werden wir es berichten.... die Medien sollen einfach die Facebookseite verfolgen und nicht nur Pressemitteilungen abschreiben....."

[Ein Leser bestätigt die Anwesenheit von Markus Lobis]

Internet soll Kommunikationsmedium bleiben

Sigmund will unbedingt die Kennwörter des Facebooksaccounts abgeben, hat Angst vor negativen Schlagzeilen, sollte sein Name zu öffentlich werden.

Die Facebookaccountadministratoren werden einer der Moderatoren, eine Frau aus dem Publikum und einige aus dem Internet (Andreas Bergmeister und Stefan Insam, Stefan Kontschieder, Tobias Zangerle)

Frage an das Publikum: Dieser Livestream könnte auf youtube gespeichert werden... wer macht das... privacy.... dieses Video könnte gegen uns verwendet werden.... das Video wird nicht abgespeichert....

Jetzt wird es spannend: Jemand aus dem Publikum hatte Geld dabei (wenn ich das richtig verstanden habe), und wollte es den Moderatoren geben... der Moderator lehnt ab


Rebecca aus dem Publikum hat Bedenken, dass dieser "Sponsor" nicht akzeptiert werden kann

Es wird über Spenden diskutiert: "Wohin sollten 1.000 Euro Spendengelder gehen???"

Einer aus dem Publikum erklärt, dass "Unterstützungen" akzeptiert werden sollten.

Es wird auch von einer Mail gesprochen, die eine "Unterstützung" anbieten würde...

Das Publikum möchte Namen und Betrag der "Unterstützung" wissen. Wird beides nicht bekanntgegeben, da man diese nicht wisse...

Nach der bisher aktivsten Diskussion (über die Sponsoren) wird besprochen, ob und wann man sich wieder treffen soll..

So das wars.... Geld zur Bezahlung der Raummiete wird eingesammelt.... 46 Euro die Stunde, 3 Stunden = 138 Euro rechnet der  Pirat...

Publikum: "Wo ist der Sponsor...."

Verabschiedung... Danke an alle.... Deadline für die Abstimmung, welche Kommunikationsplattform verwendet wird ist 7 Tage...

22.11 der Stream ist offline

Kommentare


Pirat 2011-10-26 20:02:10
Hallo. Als Südtiroler, der in Deutschland lebt und Mitglied der dt. Piratenpartei ist, kann ich die Gründung einer Südtiroler Piratenpartei nur begrüßen. Eine sozialliberale Partei hat Südtirol dringend nötig.

Aber bitte überstürzt es mit der Gründung nicht. Lasst euch etwas Zeit, studiert das italienische Parteiengesetz und schreibt eine gute Satzung, die ihr dann bei der Gründungsversammlung abstimmen könnt. Eine schlechte Satzung später noch zu verbesser ist mehr Arbeit, als man sich denken würde.

Und passt bloß auf, dass ihr nicht von Nazis infiltriert werdet, das passiert entweder ganz am Anfang oder nach den ersten Wahlerfolgen. Deshalb solltet ihr euch gut kennenlernen und Stammtische veranstalten, bevor ihr irgendjemanden in den Vorstand wählt.

Die besonderen Umstände, die in Südtirol herrschen solltet ihr auch beachten und neu bewerten. Was macht man, wenn die Bevölkerung drei Sprachen spricht? Da könnt ihr die Schweizer Piraten fragen, die haben da einige Erfahrung. Momentan ist es ja so, dass es in Südtirol italienische, ladinische und deutsche Parteien gibt. Vielleicht schafft ihr endlich, dieses Schema zu durchbrechen und eine Partei zu gründen, die für alle wählbar ist. Für die innerparteiliche Kommunikation fällt mir das ein: Jeder Südtiroler lernt in der Schule Deutsch oder Italienisch mindestens so gut, dass er es zumindest verstehen kann, deshalb wäre es doch toll, wenn man innerhalb der Partei einfach die Sprache spricht, die man besser sprechen kann. Die anderen werden es schon verstehen. Das geht ja auch wenn man die beiden Sprachen mischt. ;)

Das waren jetzt nur ein paar Gedanken von mir. Viel Erfolg noch und nochmal das wichtigste: Nichts überstürzen.

Markus Lobis 2011-10-26 23:36:29
Diese Mitschrift gibt den Sitzungsverlauf nur sehr lückenhaft und in bewußt herabsetzender Weise wieder. Der Abend war wesentlich konstruktiver und angeregter als es hier erscheinen mag, auch wenn sich die Promotoren - zu denen ich nicht gehöre - mehr Andrang erwartet haben. Dies war aber meines Erachtens wenig realistisch.

Ich habe an dem Treffen als interessierter Beobachter teilgenommen und spüre, dass auch in der Watt- und Speckrepublik spannende Veränderungen in Gang kommen. Ob aus der heute angestoßenen Bewegung etwas wird, wird sich weisen. Jeder, der sich mit konkreter Politik beschäftigt, weiß wie schwierig das ist, ein politisches Subjekt ins Leben zu rufen und - vor allem - am Leben zu erhalten, bzw. zum Erfolg zu führen.

Pirat 2011-10-27 02:53:20
Bei der Gründungsversammlung (!!) der dt. Piraten 2006 in Berlin waren etwa 60 Personen anwesend. Und das in einem Land mit 82 Millionen Menschen, bzw. einer Stadt mit 3,4 Millionen Bewohnern.

Die Anzahl der Gäste bei diesem ersten Treffen war nicht schlecht. Wer behauptet, das Treffen hätte niemanden interessiert und das Projekt wäre jetzt schon gescheitert, der irrt sich.

Ich würde euch jetzt empfehlen ein Forum und ein Wiki auf eurer Webseite einzurichten. Wieso? Weil sich ein Forum viel besser für Diskussionen eignet und ein Wiki benötigt wird, um Wissen zu sammeln und die Parteigründung vorzubereiten. Facebook ist zwar ganz gut um Interessierte und Wähler zu finden, aber für Parteiarbeit eher nicht.

Thomas Sigmund 2011-10-27 15:29:53
Lieber TIT.it-Blogger, schließe mich da Markus Lobis an. Gerade eine Piratenpartei ist nicht (!) an physisch präsenten Personen an einem einzigen Versammlungsort zu messen. Die Piraten benutzen eigene Kanäle und Plattformen um zu diskutieren und abzustimmen. Ich habe die gestrige Veranstaltung mit großer Aufmerksam verfolgt und sehr interessant empfunden. Es bewegt sich etwas. Was meine eigene Rolle betrifft. Ja, ich polarisiere und ja, das ist derzeit nicht gut für die Entwicklung der Piraten. Wie stark ich im Fokus bin, hat man auch gestern gesehen. Kaum hatte ich die Bühne betreten blitzten die Kameras der Fotografen. Und was heisst da "aus der Schusslinie bringen"??? Ich werde sehr aktiv mitarbeiten und mich basisorientiert aktiv für die Piraten einbringen. Aber sorry, bei der derzeitigen medialen Aufmerksamkeit, die mich persönlich umgibt, lenkt mein Wirken ab. Das möchte ich nicht. Die Sache soll und muss unbefangen weitergehen. Was sie tut. Sorry, lieber Blogger, ich habe den Eindruck Sie haben nur das wiedergegeben, was Sie hören wollten. Die gestrige Sitzung hatte deutlich mehr Inhalt. Noch zu den medialen Berichterstattungen. Der Blogger schreibt ich hätte Angst gehabt vor einer Schlagzeile "schwacher Start". Entweder haben ich oder Sie jetzt den Artikel auf den Athesiakanälen geschrieben? http://www.stol.it/Artikel/Politik-im-Ueberblick/Lokal/Schwacher-Start-fuer-Suedtiroler-Piratenpartei
Jedenfalls brauchen die Piraten "keine Angst" vor den etablierten Medien zu haben. Wie schon geschrieben, die Piraten verwenden eigene Medien. Und die Diskussionen auf den derzeitigen Südtirol-Piraten-Kanälen hören sich recht lebendig und frisch an. Ich sage mal: Die ersten Segel sind gesetzt.

Christian 2011-10-27 19:17:36
Sehr informativ dieser Beitrag hier!
Bin schon sehr gespannt, wie es in Südtirol mit den Piraten weitergeht. Das Meer wartet und der Wind weht. Es ist somit nur wichtig, die Segel richtig zu setzen! Aber Vorsicht, keine Eile, alles mit der Ruhe.
Käptn Mc Luis und Sir Käptn Thomasn sind scheinbar bereit, den Wellen entgegen zu gehen.
Ob nur via Live-Stream/Facebook/Twitter & Co oder auch in der Öffentlichkeit wird man hoffentlich sehen (halt wichtig Augenklappe offen lassen)!

Thomas Sigmund 2011-10-27 21:22:03
Aus brennerbasisdemokratie.eu: STARTSCHUSS FÜR SÜDTIROLER PIRATEN
Auf der langen Welle des Berliner Erfolgs über Facebook lanciert — wo sie mittlerweile mehr als 900 Sympathisanten* zählen — haben sich einige Südtiroler »Piraten« gestern in Bozen zu einer ersten öffentlichen Versammlung getroffen. Mit knapp 30 Anwesenden blieb die Teilnehmerzahl zwar unter den hochgesteckten Erwartungen, zusammen mit den weiteren rund 30 Interessierten, die das Treffen per Livestream verfolgten und mitkommentierten, war das für den Anfang eine stattliche Anzahl.
Nach dem Rücktritt Thomas Sigmunds von allen provisorischen Ämtern — und einem Blitzbesuch von Medienvertretern, die heute lang und breit über den Abend berichten — entfaltete sich eine erstaunlich engagierte Diskussion. Neben technischen und ersten organisatorischen Fragen wurden auch einige Schwerpunkte angesprochen, die weitgehend die Kernthemen der internationalen Piratenbewegung widerspiegeln: Internet und neue Medien, Datenschutz, Transparenz und Urheberrechte. Dafür, dass es sich bei den Teilnehmern — mit wenigen Ausnahmen, Thomas Sigmund und Markus Lobis etwa — offensichtlich um Politikneulinge handelt, war es eine sehr gediegene und niveauvolle Debatte mit vielen Meldungen.
Die Piraten kanalisieren mit ihrem Auftreten und ihrem Selbstverständnis ein neues Politikverständnis sowie den Wunsch nach mehr basisdemokratischer Mitentscheidung, wodurch sich zwar beileibe keine Deckungsgleichheit, aber durchaus Schnittmengen mit den Indignados ergeben.
Interessant wird bei einem derartigen Projekt freilich die Definition eines gemeinsamen Parteiprogramms, will man sich nicht mittelfristig der Programmlosigkeit bezichtigen lassen. Über die Kernthemen hinaus scheint bei den Piraten bislang wenig Einigkeit darüber zu herrschen, wie sich die Partei zu grundsätzlichen — und durchaus auch südtirolspezifischen — Themen positionieren soll. Stichwortartig sind bei der gestrigen Versammlung Themen wie das bedingungslose Grundeinkommen, die Mehrsprachigkeit, aber auch Flugplatz und dritte Autobahnspur gefallen, wobei die Auffassungen dazu durchaus unterschiedlich ausfallen könnten. Kritisch könnte es aufgrund der Heterogenität der »Mitglieder« werden, wenn basisdemokratisch ermittelt wird, dass etwa die Mehrheit der Mitglieder für eine Erweiterung des Flugplatzes eintritt, dann aber alle (auch diejenigen, die parteiintern dagegen gestimmt haben) die gemeinsame Position in der Öffentlichkeit vertreten müssen.
Für ein diesbezügliches Urteil ist es freilich viel zu früh: Die Zukunft der bislang informellen Bewegung wird zeigen, ob dieser Spagat zu schaffen ist. Das frische und idealistische politische Engagement mehrheitlich junger Menschen ist in jedem Fall zu begrüßen und kann grundsätzlich mit der Unterstützung dieser Plattform rechnen.

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*) das sind auf die Bevölkerungszahl hochgerechnet mehr, als das bundesdeutsche Pendant vorweisen kann.