Die Linux User Group Bolzano-Bozen-Bulsan gibt in einem offenen Brief an die Landesregierung ihre Zweifel bezüglich des Beschlusses vom 25. Mai 2010 zum Ankauf von Microsoft Software im Wert von 2.2 Millionen Euro bekannt.

Es geht um den Ankauf von

  • 4.000 CAL-Lizenzen

  • 145 Windows Server Lizenzen

  • 4 MS-Exchange Server Lizenzen

  • 4 MS-Office-Communication Lizenzen

  • 6 MS-Sharepoint Lizenzen

  • 2 MS-SQL-Server Lizenzen

  • und Server Extensions und Tools zur Verwaltung und zum Monitoren der Servern [sic] (was auch immer das bedeuten soll)


Dies alles zum Preis von 2.234.279,56 Euro, der bereits reduziert zu sein scheint:
Zudem wurde uns auf diesen um die Gewinnmargen reduzierten Listenpreis ein zusätzlicher Skontosatz von 5% gewährt, dies allerdings an die Bedingungen gekoppelt dass die Rechnungen dann von der Zentrale in Irland ausgestellt werden und dass wir den Vertrag innerhalb 28. Mai 2010 abschließen.

Dem Brief der LUGBZ kann man nur zu 100% zustimmen.

Vor allem:
Sie [die LUGBZ] weist aber mit Bedauern darauf hin, dass die kurzfristige Planung der Aktualisierung die Machbarkeit einer Migration mindestens eines Teils der Infrastruktur der Landesverwaltung zu einer alternativen Plattform verhindert hat.

Die LUGBZ befürchtet, dass besonders der Einsatz von Werkzeugen wie MS Sharepoint (6 Serverlizenzen) und MS-Office Communication Server (4 Serverlizenzen) die Nebenwirkung hat, auch in Zukunft den Einsatz von anderer Bürosoftware zu verhindern.

Der Einsatz dieser Softwarewerkzeuge würde die Landesverwaltung nicht nur für drei Jahre binden (wie vertraglich vorgesehen), sondern für eine viel längere Zeit. Es ist wichtig hervorzuheben, dass auch die Möglichkeit ohne Einschränkungen über die eigenen Daten verfügen zu können von großer Bedeutung ist. Es gilt also Strategien zu vermeiden mit der Softwarehersteller die Kunden willkürlich binden (diese Stragie ist in englischer Sprache als vendor lock-in2 bekannt).

Wann der Mainstream Support ausläuft hat die Landesregierung ja schon beim Kauf gewusst. Man hätte sich in den letzten Jahren überlegen können ob und wie man umsteigen könnte.

Warum das nicht gemacht wurde steht im Beschluß:
Festgestellt, dass es keine Alternative zur nunmehr notwendig gewordenen Weiterentwicklung unseres lT-Systems gibt, da jeder Wechsel des Serverbetriebssystems der wichtigsten und kritischsten zentralen Server der Landesverwaltung in der aktuellen Situation nicht verantwortbar wäre, da sowohl die dazu nötigen Ressourcen als auch das hierfür nötige interne Know-How fehlt, einen solchen Schritt ohne unvertretbare Risiken zu beschreiten;

Die Zuständigen kennen sich also nur mit Windows aus. Und diesen Personen vertraut man die Daten der Landesregierung an.

Die Vorteile die man laut Beschluß mit diesen ganzen Microsoft Produkten hat sind:
- Sicherer Zugang auch auf unstrukturierte Daten jeder Art
- Versionierung dieser Dokumente
- Aufbau und Konfiguration eigener Arbeitsbereiche durch die einzelnen Mitarbeiter selbst mit Integration in gemeinsame Kalender
- Aufbau leistungsfähiger Suchsysteme über alle verfügbaren Dokumente und Daten
- Intuitive Veröffentlichung der Dokumente in Web-Form

Warum man für diese 5 Punkte Windows benötigt ist mir unklar. Ebenso unklar ist was Punkt 3 und 5 überhaupt bedeuten.

Sehr schön ist auch noch dieser Punkt:
Festgestellt, dass nach längerer Verhandlung mit Vertretern von Microsoft GmbH klar wurde, dass es für die Landesverwaltung der geeigneteste und unter wirtschaftlichem und Gesichtspunkt technisch-strategischem günstigste Weg ist, all diese Lizenzen über einen so genannten Enterprise-Agreement Vertrag anzukaufen, dies auch unter dem Gesichtspunkt wie sich die lT-Systeme der Landesverwaltung entwickeln sollten (in Kürze möglicher Wechsel auf ein aktuelleres Client-Betriebssystem);

Was sollten die Vertreter von Microsoft auch sonst sagen? Dass man am besten Debian auf allen Rechner installieren soll?